Iteratives Vorgehen und inkrementelles Vorgehen sind zentrale Prinzipien, um komplexe Projekte erfolgreich zu steuern. Statt alles im Voraus zu planen, arbeitest du in kurzen Zyklen, sammelst früh Feedback und verbesserst dein Ergebnis Schritt für Schritt.

Iterativ bedeutet, ein Produkt durch wiederholte Zyklen (Iterationen) zu verfeinern, wobei jede Iteration auf den Erkenntnissen der vorherigen aufbaut.

Inkrementell heißt, das Endprodukt aus aufeinander aufbauenden Teilen (Inkrementen) Stück für Stück zu erstellen.

Iteratives Vorgehen in der agilen Entwicklung mit drei Sprints und wiederkehrenden Phasen wie Planung, Umsetzung und Review

Warum hilft ein iteratives Vorgehen gerade bei komplexen Problemen? Weil du ein Produkt oder Ergebnis in kleinen Schritten aufbauen und laufend verbessern kannst – auch wenn sich zwischenzeitlich Einflussfaktoren ändern (was typisch für komplexe Probleme ist – siehe Teil 1 unserer Serie).

Wichtig: Die Kleinteiligkeit eines Projekts darf nicht dazu führen, dass ihr euer „Big Picture“ aus den Augen verliert. Setze deshalb Prioritäten und halte diese in der Zielformulierung eurer Roadmap fest.

Iteratives Vorgehen: Mögliche Prioritäten und Chancen

  • frühzeitig den technischen Ansatz erproben
  • die größten Risiken als erstes ausschließen
  • Unklarheiten durch frühe Tests beseitigen
  • schnell sichtbare Ergebnisse erzeugen
  • den größten Wertschöpfungshebel schnellstmöglich umsetzen und liefern
  • eine solide Grundlage für nachgelagerte Effizienz schaffen

Beispiel für schnelle Wertschöpfung: Webshop-Entwicklung

Eine neue Funktion für deinen Webshop ist bereits in zwei Wochen implementierbar und könnte direkt zusätzlichen Umsatz bringen. Deshalb wird die Entwicklung vorgezogen. Die Grundsatzentscheidung „alle Funktionen kommen gesammelt nach 12 Monaten in den Webshop“ stellst du deshalb zurück. 

Stattdessen schaffen kleine abgeschlossene Etappen schnell nutzbare Elemente und damit Quick Wins und neue Erkenntnisse. So könnt ihr unter anderem schneller abschätzen, wie gut neue Elemente angenommen werden, und ihr könnt bei Bedarf eure Ziele anpassen.

Methodenvorschlag: „Plan & Deliver“

Iterationen planen – und jedes Mal einen Wert ausliefern

(1) Für die Anforderungskonzeption brauchst du erfahrene Personen mit Überblick (beispielsweise Softwarearchitekten), die sehr wichtige Themen, die sich später nicht mehr ändern lassen, konzipieren – etwa grundsätzliche Technologie-Entscheidungen. Auch Qualitätseigenschaften müsst ihr bewusst, angemessen, rechtzeitig konzipieren, sonst kann das Projekt in eine Sackgasse geraten. Beachtet dabei die Querschnitts-Themen Security, Performance, Wartbarkeit und Dokumentation.

(2) Alle anderen Details konzeptioniert ihr nur für Themen, die auch wirklich umgesetzt werden, heißt: für die nächsten Iterationen. So vermeidest du unnötige Aufwände. Beispiel: Ein komplexes Lastenheft zu erstellen, hat in einem Großprojekt 12 Monate gedauert (Aufwand: 1.400 Personentage). Zum Ende des Projekts waren alle notwendigen Funktionen entwickelt, aber aus dem Lastenheft nur die Hälfte der Themen wie beschrieben realisiert worden. Viele „Nice-to- have“-Funktionen waren entfallen oder zwischenzeitlich geändert worden, man hätte sich also ungefähr die Hälfte des Planungsaufwands sparen können.

(3) Kontinuierliche Ergebnisse ermöglichen eine frühe Werterzeugung (Umsatz etc.) – im Vergleich zur Auslieferung erst nach Projektlaufzeit. Darüber hinaus geben Kunden und Anwender nach jeder Auslieferung wertvolle Rückmeldungen, die ihr direkt berücksichtigen und einarbeiten könnt.

(4) Sorge dafür, dass alle Beteiligten den Wert ihrer Arbeit regelmäßig sehen und messen können. Dies erhöht die Motivation und fördert das Einbringen eigener, noch besserer Ideen.

(5) Durch kapazitätsmäßig (Personal, Ressourcen, Zeit) gleichbleibende Iterationen erzeugt ihr Lerneffekte, denn es sind einfache Vergleiche möglich. Am Ende jeder Iteration prüfst du, was erreicht wurde und wie die Planabweichung aussieht. Aus der Planabweichung lernt ihr, weiter zu optimieren – Motto: „Planung bedeutet, den Zufall durch Irrtum zu ersetzen”.

(6) Während einer Iteration lasst ihr Änderungen und damit Irritationen nur dosiert oder in Ausnahmefällen zu, um den Fokus zu halten. Änderungen besprecht ihr mit dem Team am Ende der jeweiligen Iteration.

(7) Da in kurzen Zyklen (beispielsweise zwei Wochen) gearbeitet wird, könnt ihr bei Fehlplanung mit geringen Kosten einen Abbruch erzeugen. Es müssen nur die Tage der Iteration „weggeworfen“ werden – und nicht das ganze Projekt.

(8) Kleinteilig arbeiten, aber den Überblick behalten? Definiere eine Rolle, die sicherstellt, dass es ein Big Picture gibt, das allen bekannt ist. In der agilen Softwareentwicklung ist das beispielsweise der Product Owner. Das Big Picture kann als Roadmap dargestellt werden, die die grundsätzliche Planungsrichtung vorgibt. In diese Roadmap solltet ihr jede Einzeliteration einordnen können, um das große Ziel im Auge zu behalten. So kann jeder Teilnehmende erkennen, was wann wichtig wird.

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